Warum verantwortungsvolle Beschaffung für Laubholzkäufer zählt
„Woher kommt dieses Holz?“ fragten früher nur einzelne Kunden. Heute fragen auch Behörden, öffentliche Ausschreibungen und der Handel. Drei Dinge haben sich gleichzeitig geändert. Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) macht legale, entwaldungsfreie Herkunft zur Voraussetzung für den Verkauf von Holz in der EU. Das EU-Verbraucherrecht hat verschärft, was ein Verkäufer über die Umwelt sagen darf. Und die beiden großen Zertifizierungssysteme, FSC und PEFC, sind zur gemeinsamen Sprache geworden, in der Einkäufer Beschaffungsanforderungen in Verträge schreiben.
Dieser Leitfaden erklärt, was die Systeme zertifizieren, was die Aussagen auf einer Rechnung bedeuten, wie Sie ein Zertifikat selbst prüfen und wo die Zertifizierung endet und das Recht beginnt. Er gibt den Stand der Normen und Rechtstexte im Oktober 2026 wieder. Er ist eine praktische Zusammenfassung, keine Rechtsberatung.
FSC und PEFC: zwei Systeme, zwei Arten der Steuerung
Beide Systeme zertifizieren zweierlei: wie ein Wald bewirtschaftet wird (Waldbewirtschaftung, Forest Management oder FM) und wie das Holz nach dem Verlassen des Waldes verfolgt wird (Produktkette, Chain of Custody oder CoC). Beide stützen sich auf unabhängige Zertifizierungsstellen, die vor Ort prüfen. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie ihre Standards entstehen.
FSC: ein internationaler Standard, national angepasst
Der Forest Stewardship Council wurde 1993 gegründet. Sein Waldstandard, die FSC-Prinzipien und -Kriterien, legt zehn Prinzipien fest, von der Einhaltung der Gesetze und den Rechten der Beschäftigten bis zu den besonders schützenswerten Werten (High Conservation Values). Nationale Standards übersetzen sie in örtliche Indikatoren.12 FSC wird von seinen Mitgliedern getragen, in einer ökologischen, einer sozialen und einer wirtschaftlichen Kammer mit je einem Drittel der Stimmen, jeweils zu gleichen Teilen zwischen globalem Norden und Süden aufgeteilt.13 Die Zertifizierungsstellen akkreditiert Assurance Services International (ASI), die auch Betrugsfälle untersucht.14
PEFC: ein Bündnis nationaler Systeme
PEFC, das Programme for the Endorsement of Forest Certification, entstand 1999 aus einer Initiative kleiner und familiengeführter Waldbesitzer in Europa. Es schreibt keinen einheitlichen Waldstandard, sondern erkennt nationale Systeme an, die von nationalen Interessengruppen erarbeitet und unabhängig gegen seine internationalen Benchmark-Standards geprüft wurden.15 PEFC hat 57 nationale Mitglieder und 48 anerkannte Systeme in 52 Ländern.3 Ein PEFC-Zertifikat gilt höchstens fünf Jahre, mit einem jährlichen Überwachungsaudit.16
So funktioniert die Zertifizierung der Waldbewirtschaftung
Der Waldbesitzer beauftragt eine Zertifizierungsstelle, die Bewirtschaftungsplan, Aufzeichnungen und den Wald selbst gegen den nationalen Standard prüft. Nach der Beschreibung von PEFC müssen alle Abweichungen behoben sein, bevor ein Zertifikat erteilt wird.16 Das Zertifikat gilt für eine klar abgegrenzte Waldfläche. Was mit dem Holz nach Verlassen dieser Fläche geschieht, regelt die Produktkettenzertifizierung.
Daten anzeigen
| FSC | PEFC | |
|---|---|---|
| Europa | 70,0 Mio. ha | 81,5 Mio. ha |
| Nordamerika | 58,1 Mio. ha | 161,1 Mio. ha |
| Lateinamerika | 20,9 Mio. ha | 12,5 Mio. ha |
| Asien-Pazifik | 13,6 Mio. ha | 35,4 Mio. ha |
| Afrika | 11,1 Mio. ha | 4,9 Mio. ha |
„Asien-Pazifik“ bei PEFC ist unsere Summe der Regionen Asien (17,6) und Ozeanien (17,8); „Lateinamerika“ bei PEFC ist die Region Mittel- und Südamerika. Mitte 2024 waren rund 63 Mio. ha von beiden Systemen zertifiziert, die Balken überschneiden sich also. Die FSC-Regionalwerte ergeben zusammen etwas mehr als die Gesamtzahl von 173,3 Mio. ha. Quelle: FSC, Facts & Figures dashboard, regional distribution, 24 October 2026; PEFC, Global Statistics, March 2026.
Was der Unterschied für Einkäufer bedeutet
- Die Verfügbarkeit hängt vom Land ab. Rumänien hat rund 2,92 Mio. ha FSC-zertifizierten Wald und 0,66 Mio. ha nach PEFC. In Deutschland ist es umgekehrt: 1,29 Mio. ha FSC, 8,47 Mio. ha PEFC.1,2 Wer nur ein System akzeptiert, verengt womöglich das Angebot.
- Ihr Kunde entscheidet. Handel und öffentliche Ausschreibungen verlangen oft FSC, PEFC oder eines von beiden. Übernehmen Sie deren Formulierung samt der akzeptierten Aussagen.
- Siegel werden auf dem Produkt nicht gemischt. Ein Produkt mit FSC-Aussage darf kein Siegel eines anderen Waldzertifizierungssystems tragen, auf der Rechnung dürfen aber FSC- und PEFC-Aussage nebeneinander stehen.4
| FSC-Waldfläche | PEFC-Waldfläche | FSC-CoC-Zertifikate | PEFC-CoC-Zertifikate | |
|---|---|---|---|---|
| Rumänien | 2,92 Mio. ha | 0,66 Mio. ha | 842 | 58 |
| Deutschland | 1,29 Mio. ha | 8,47 Mio. ha | 2.048 | 1.736 |
| Europa | 69,96 Mio. ha | 81,51 Mio. ha | 23.603 | 11.192 |
| Weltweit | 173,27 Mio. ha | 295,36 Mio. ha | 70.300 | 13.955 |
Ein Wald oder ein Unternehmen kann beide Zertifikate haben, die Spalten lassen sich daher nicht addieren. PEFC zählt Zertifikate; ein Multi-Site-Zertifikat kann viele Unternehmen umfassen, PEFC meldet weltweit mehr als 29.800 zertifizierte Unternehmen. Quelle: FSC, Facts & Figures dashboard, accessed 24 October 2026; PEFC, Global Statistics, March 2026.
Was die Aussagen auf der Rechnung bedeuten
Ein zertifiziertes Produkt erkennt man an der Aussage (englisch „claim“) auf Rechnung oder Lieferschein, neben dem Zertifikatscode des Verkäufers. Fehlt die Aussage im Dokument, ist die Ware für Sie nicht zertifiziert, egal was auf der Website steht.4,5
| Aussage | Bedeutung | Siegel auf dem Produkt? |
|---|---|---|
| FSC 100 % | Alle Einsatzstoffe aus FSC-zertifizierten Wäldern | Ja, FSC 100 % |
| FSC Mix x % | x % FSC-zertifizierte und recycelte Einsatzstoffe, Rest kontrolliert | Ja, FSC Mix, ab 70 % |
| FSC Mix Credit | Verkaufte Menge entspricht den eingekauften zertifizierten Einsatzstoffen; ein einzelnes Stück kann kontrolliertes Material sein | Ja, FSC Mix |
| FSC Recycled | Nur zurückgewonnenes Material | Ja; bei Holz mindestens 70 % Post-Consumer |
| FSC Controlled Wood | Nicht zertifiziert; gegen fünf Kategorien unzulässiger Quellen geprüft | Nein; nur als Roh- oder Halbware an FSC-zertifizierte Kunden |
| x % PEFC certified | x % zertifizierter Anteil (zertifizierte Wälder und Recyclingmaterial) | Ja, PEFC-zertifiziert, ab 70 % |
| 100 % PEFC Origin | Nur Material aus PEFC-zertifizierten Wäldern, nie gemischt | Ja, PEFC-zertifiziert |
| PEFC Controlled Sources | Nicht zertifiziert; Sorgfaltsprüfung ergab vernachlässigbares Risiko umstrittener Quellen | Nein |
Quelle: FSC-STD-40-004 V3-1, tables B, C and E and clause 5.6; FSC-STD-40-005; PEFC ST 2002:2020, definitions 3.24–3.28; PEFC ST 2001:2020, clause 7.1.2.
FSC 100 %, FSC Mix und FSC Recycled
FSC 100 % heißt, dass alle Einsatzstoffe aus FSC-zertifizierten Wäldern stammen. FSC Mix umfasst jede Kombination aus FSC-zertifiziertem, recyceltem und kontrolliertem Material; ein Produkt nur aus kontrolliertem oder zurückgewonnenem Material darf nicht als FSC Mix verkauft werden.4 Es gibt zwei Formen:
- FSC Mix x %: Der Prozentsatz ist der Anteil FSC-zertifizierter und recycelter Einsatzstoffe in einem Auftrag oder Aussagezeitraum. Das FSC-Mix-Siegel ist ab 70 % zulässig.4
- FSC Mix Credit: Das Unternehmen verkauft als FSC Mix Credit eine Menge, die den eingekauften zertifizierten Einsatzstoffen entspricht. Ein einzelnes Stück kann daher kontrolliertes Material statt zertifizierten Holzes enthalten. Es darf trotzdem das FSC-Mix-Siegel tragen.4
FSC Recycled gilt für Produkte nur aus zurückgewonnenem Material. Bei Holz verlangt das Siegel mindestens 70 % Post-Consumer-Material.4
FSC Controlled Wood: geprüft, nicht zertifiziert
FSC Controlled Wood stammt aus nicht zertifizierten Wäldern. Ein zertifiziertes Unternehmen hat es gegen fünf Kategorien unzulässiger Quellen geprüft: illegaler Einschlag; Verletzung traditioneller und Menschenrechte; Wälder, deren besonders schützenswerte Werte durch die Bewirtschaftung bedroht sind; Wälder, die in Plantagen oder andere Nutzungen umgewandelt werden; Wälder mit gentechnisch veränderten Bäumen.6 Es dient dazu, Mischen zu ermöglichen. Mit der Aussage „FSC Controlled Wood“ darf es nur als Roh- oder Halbware an FSC-zertifizierte Kunden verkauft werden und trägt nie ein FSC-Siegel.4
PEFC: „x % PEFC-zertifiziert“ und „PEFC Controlled Sources“
PEFC kennt zwei Aussagen. „x % PEFC certified“ nennt den zertifizierten Anteil, der bei PEFC Material aus zertifizierten Wäldern und Recyclingmaterial umfasst. Material aus einem zertifizierten Wald, das nie gemischt wurde, darf als „100 % PEFC Origin“ verkauft werden.5 Das Siegel „PEFC-zertifiziert“ setzt mindestens 70 % zertifiziertes Material voraus.17
„PEFC Controlled Sources“ (PEFC-kontrollierte Quellen) ist das Gegenstück zu FSC Controlled Wood: Material, für das das Sorgfaltspflichtsystem des Unternehmens ein vernachlässigbares Risiko umstrittener Herkunft festgestellt hat. Die PEFC-Liste geht weiter als die von FSC. Neben illegalem Einschlag, Umwandlung und gentechnisch veränderten Bäumen nennt sie Einschlag über dem nachhaltigen Niveau, fehlenden Schutz der Biodiversität und ökologisch wichtiger Flächen, Verstöße gegen Arbeits- und Indigenenrechte sowie Konfliktholz.5
Was keine Aussage verrät
Eine Aussage beschreibt Herkunft und Kontrolle, nicht Qualität. Sie sagt nichts über Holzart, Sortierung, Holzfeuchte oder Leimklasse und ist keine Sorgfaltserklärung nach EUDR. All das gehört weiter in Ihre Spezifikation; unser Leitfaden zur Auswahl eines Lieferanten für Massivholzteile zeigt, wo Zertifikate in einer vollständigen Anfrage stehen.
Produktkette: warum jedes Glied zertifiziert sein muss
Der FSC-Standard für die Produktkette sagt es deutlich. Damit ein Produkt als FSC-zertifiziert verkauft werden darf, braucht es eine lückenlose Kette zertifizierter Organisationen über jeden Eigentumswechsel hinweg, vom zertifizierten Wald bis zu dem Unternehmen, das es mit FSC-Aussage verkauft oder das Siegel anbringt.4 Spediteure und Vermittler, die die Ware nie besitzen, brauchen kein Zertifikat.4 PEFC arbeitet genauso: Jede Lieferung mit PEFC-Aussage muss die Aussage und die Zertifikatsnummer des Lieferanten tragen, und der Käufer muss das Zertifikat des Lieferanten auf der PEFC-Website prüfen.5

Ein zertifizierter Wald reicht nicht
Nehmen wir eine einfache Kette. Ein zertifizierter Forstbetrieb verkauft Rundholz an ein nicht zertifiziertes Sägewerk, das Bretter an einen zertifizierten Möbelhersteller liefert. Das Rundholz verließ den Wald mit gültiger Aussage, doch das Sägewerk kann sie nicht weitergeben. Für den Möbelhersteller sind die Bretter nicht zertifizierter Einsatzstoff. Im FSC-System können sie höchstens als kontrolliertes Material eingehen, wenn der Hersteller sie nach den Regeln für kontrolliertes Holz prüft, und nie zu FSC 100 % beitragen.4 Bei PEFC gilt dieselbe Logik. Die Regel für Einkäufer: Verlangen Sie das Zertifikat des Unternehmens, das Ihnen die Rechnung stellt, nicht das des Waldes, aus dem es kauft.
Was die Papiere zeigen müssen
Eine FSC-Rechnung muss Verkäufer und Kunde, Datum, Produkt, Menge, den FSC-Zertifikatscode des Verkäufers und die Aussage für jede Position nennen. Ein Verkäufer darf eine Aussage herabstufen, etwa von FSC 100 % auf FSC Mix, aber nicht heraufsetzen.4 FSC überarbeitet seine Produktkettenstandards; nach dem im November 2025 vorgestellten Zeitplan sollen die neuen Fassungen am 1. Januar 2027 erscheinen und am 1. Juli 2027 in Kraft treten.18
So prüfen Sie ein Zertifikat in zwei Minuten
Zertifikate sind öffentlich. Ein Logo auf einer Website ist kein Beleg, und ein PDF vom Verkäufer kann veraltet sein. Prüfen Sie die Datenbank.
FSC: die FSC Search und ihre Codes
Die FSC-Datenbank ist die FSC Search unter search.fsc.org, noch als Beta gekennzeichnet; der offizielle Start ist für später im Jahr 2026 geplant, das ältere Zertifikats-Dashboard bleibt so lange erreichbar.7 Der Produktkettenstandard nennt sie noch info.fsc.org.4 Zwei Codes kennzeichnen einen Zertifikatsinhaber:
- Der Zertifikatscode: Kürzel der Zertifizierungsstelle, Zertifikatstyp und Nummer, etwa XXX-COC-000000 für die Produktkette, XXX-FM/COC-000000 für Waldbewirtschaftung mit Produktkette oder XXX-CW/FM-000000 für die Bewirtschaftung nach Controlled-Wood-Regeln. Dieser Code gehört auf die Rechnung.4,7
- Der Lizenzcode der Form FSC-C000000, der neben dem FSC-Siegel auf Produkten steht.
Lesen Sie dann den Status. Nur „valid“ (gültig) erlaubt Verkäufe mit FSC-Aussagen. Ein suspendiertes Unternehmen darf während der Suspendierung keine Produkte mit FSC-Aussagen verkaufen oder versenden, ein beendetes („terminated“) ist aus dem System ausgeschieden.19 Der Eintrag zeigt außerdem das Ablaufdatum, die erfassten Standorte und unter „Products“ jede Produktkategorie mit Hauptaussage und den enthaltenen Holzarten.
PEFC: Find Certified
Die öffentliche PEFC-Datenbank heißt Find Certified.8 Suchen Sie nach Firmenname oder Zertifikatsnummer. Die Nummern vergeben die Zertifizierungsstellen, daher variiert das Format; der Standard verlangt nur eine eindeutige Kennung.5 Verwechseln Sie sie nicht mit der Markenlizenznummer PEFC/XX-XX-XX, die das PEFC-Logo begleitet.17
Die Zwei-Minuten-Prüfung
- Übernehmen Sie den Zertifikatscode von der Rechnung, nicht aus einer Broschüre.
- Suchen Sie ihn und prüfen Sie, ob Name und Anschrift zu Ihrem Lieferanten passen.
- Prüfen Sie Status (gültig) und Ablaufdatum.
- Öffnen Sie Produkte oder Geltungsbereich und prüfen Sie, ob Ihre Produktart und möglichst auch die Holzart erfasst sind.
- Prüfen Sie, ob die Aussage auf der Rechnung zum Zertifikat passt.
- Legen Sie eine Kopie des Eintrags mit Zeitstempel zur Bestellung; die FSC Search bietet dafür einen Download.
Zertifizierung und Recht: EUDR ab 30. Dezember 2026
Stand Oktober 2026 gilt die EUDR für Holz ab dem 30. Dezember 2026. Kleinst- und Kleinunternehmen haben bis zum 30. Juni 2027 Zeit, außer für Produkte, die schon die alte EU-Holzhandelsverordnung erfasste, etwa Schnittholz, Platten, Bauschreinerwaren und Holzmöbel.9 Unser EUDR-Leitfaden erklärt Rollen, Fristen und Unterlagen im Detail.
Zertifizierung ist keine Abkürzung. Die Verordnung erlaubt, Zertifizierungssysteme in der Risikobewertung zu nutzen, hält aber fest, dass sie die Verantwortung des Marktteilnehmers für die Sorgfaltspflicht nicht ersetzen sollen; ihre Angaben gelten als ergänzende Informationen.10 FSC UK schreibt, dass eine Zertifizierung Unternehmen nicht automatisch von ihren EUDR-Pflichten befreit.20 FSC und PEFC haben beide betont, dass ihre Systeme keine „grüne Spur“ durch die EUDR bieten.21
Zusatzmodule gibt es dennoch. Das freiwillige FSC-Regulierungsmodul (Regulatory Module) erschien am 14. August 2026 in überarbeiteter Fassung.20,22 PEFC hat ein Modul für ein EUDR-Sorgfaltspflichtsystem und startete am 27. Juli 2026 eine Konsultation zu einer überarbeiteten Fassung.23 Die EUDR verlangt aber Daten, die ein gewöhnliches Zertifikat nicht enthält: die Geolokalisierung der Einschlagsflächen, die Holzart und die Referenznummer der Sorgfaltserklärung.
Greenwashing: Was das EU-Verbraucherrecht jetzt verbietet
Die Richtlinie (EU) 2024/825 ändert die Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken. Die Mitgliedstaaten mussten sie bis zum 27. März 2026 umsetzen und ab dem 27. September 2026 anwenden. Sie fügt vier Praktiken hinzu, die unter allen Umständen verboten sind:11
- das Anbringen eines Nachhaltigkeitssiegels, das nicht auf einem Zertifizierungssystem beruht und nicht von Behörden eingeführt wurde;
- eine allgemeine Umweltaussage, für die der Händler keine anerkannte hervorragende Umweltleistung nachweisen kann;
- eine Umweltaussage über das gesamte Produkt, die nur einen Aspekt betrifft;
- die Behauptung einer neutralen, verringerten oder positiven Klimawirkung auf Grundlage von Kompensation.
Als Beispiele allgemeiner Aussagen nennt die Richtlinie unter anderem „umweltfreundlich“, „grün“, „ökologisch“ und „klimafreundlich“. Ein Zertifizierungssystem muss allen Händlern zu transparenten Bedingungen offenstehen, mit Fachleuten und Interessengruppen entwickelt sein, das Siegel aussetzen oder entziehen können und von einem unabhängigen Dritten überwacht werden.11
Für Holz hat das direkte Folgen. Ein selbst gestaltetes Blatt-Logo „Öko-Holz“ ist ein Siegel ohne Zertifizierungssystem. „Aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern“ ohne weitere Angaben ist eine allgemeine Umweltaussage. Eine korrekte FSC- oder PEFC-Aussage mit gültigem Zertifikat beruht dagegen auf einem Zertifizierungssystem. Die Regeln betreffen die Kommunikation gegenüber Verbrauchern, erreichen aber auch B2B-Lieferanten, deren Formulierungen auf Verbraucherprodukten landen. Deutschland hat sie mit dem Dritten Gesetz zur Änderung des UWG umgesetzt, Rumänien mit der Dringlichkeitsverordnung 18/2026; beide gelten ab dem 27. September 2026.24,25
Die Green-Claims-Richtlinie bleibt blockiert
Ein ausführlicheres Gesetz sollte folgen. Die Kommission schlug die Green-Claims-Richtlinie im März 2023 vor, kündigte am 20. Juni 2025 an, sie zurückziehen zu wollen, und der für den 23. Juni 2025 geplante Trilog wurde abgesagt. Ihr Arbeitsprogramm 2026 führt den Vorschlag weiter als anhängig; der Legislative Train des Europäischen Parlaments zeigte ihn im September 2026 als im Rat blockiert.26 Die Verfahrensakte lautet weiter „wartet auf Standpunkt des Rates in erster Lesung“.27 Heute gilt die Richtlinie 2024/825.
Rumänien: SUMAL, illegaler Einschlag, geringes Risiko und Buchen-Urwälder
In Rumänien ist FSC das vorherrschende System. Die zertifizierte Fläche erreichte im Oktober 2026 2,92 Mio. ha, nach weniger als 1 Mio. ha im Jahr 2006.1 Das entspricht rund 41 % der 7,05 Mio. ha Wald laut Nationaler Waldinventur, ein Anteil, den wir aus beiden Quellen berechnet haben.1,28 Das nationale System PEFC Rumänien ist von PEFC anerkannt und umfasste im März 2026 0,66 Mio. ha; beide Flächen können sich überschneiden.2,29
Daten anzeigen
| Jahr | FSC-zertifizierte Fläche |
|---|---|
| 2006 | 0,94 Mio. ha |
| 2008 | 1,08 Mio. ha |
| 2010 | 0,91 Mio. ha |
| 2012 | 0,72 Mio. ha |
| 2014 | 2,55 Mio. ha |
| 2016 | 2,52 Mio. ha |
| 2018 | 2,73 Mio. ha |
| 2020 | 2,81 Mio. ha |
| 2022 | 2,89 Mio. ha |
| 2024 | 2,85 Mio. ha |
| 2026 | 2,92 Mio. ha |
Am 1. Oktober 2026 betrug die Fläche 2.921.115 ha. Quelle: FSC, Facts & Figures dashboard, country trend for Romania, accessed 24 October 2026.
SUMAL. Jeder Holztransport aus rumänischen Wäldern fährt mit einem elektronischen Begleitschein aus SUMAL 2.0, dem nationalen Rückverfolgungssystem. Im Mai 2026 hatte es mehr als 92.000 Nutzer und stellte rund 20.000 Begleitscheine pro Tag aus.30 Die App „Inspectorul Pădurii“ zeigt jedem die Transporte der letzten 96 Stunden.31 Ein Entwurf für SUMAL 3.0 ging im Mai 2026 in die Konsultation; einen endgültigen Beschluss fanden wir bis Oktober 2026 nicht.30

Illegaler Einschlag. Im Februar 2020 richtete die Europäische Kommission ein Aufforderungsschreiben an Rumänien, weil die Behörden die Marktteilnehmer nach der EU-Holzhandelsverordnung nicht wirksam kontrollieren konnten.32 Die Nationale Waldinventur schätzt den Einschlag auf rund 26,6 Mio. m³ pro Jahr, das Statistikamt meldete für 2025 19,4 Mio. m³. Die Methoden unterscheiden sich, und keine Quelle beziffert den illegalen Einschlag.28,33 Im Juli 2026 teilte FSC mit, dass eine dreijährige ASI-Untersuchung in den geprüften FSC-zertifizierten Betrieben keine Belege für illegalen Einschlag fand, wohl aber Schwächen in den Meldesystemen für Holz.34 Unser Beitrag über Rumäniens Laubwälder erklärt die Zahlen ausführlich.
Geringes Risiko nach EUDR. Rumänien ist wie alle EU-Mitgliedstaaten als Land mit geringem Risiko eingestuft.35 Das erlaubt eine vereinfachte Sorgfaltspflicht, keine Befreiung: Geolokalisierung und Sorgfaltserklärung bleiben Pflicht. Eine Änderung der Länderliste fanden wir bis Oktober 2026 nicht.
Buchen-Urwälder. Rumänien besitzt einen Teil des UNESCO-Welterbes der alten Buchenwälder und Buchen-Urwälder mit 93 Teilgebieten in 18 Ländern. Diese Wälder sind geschützt und keine Holzquelle.36
Über das Zertifikat hinaus: Holzart, Reststoffe und Entfernung
Holzart und Herkunft
Fragen Sie nach der Holzart, nicht nur nach dem Handelsnamen. „Eiche“ kann Stiel- oder Traubeneiche (Quercus robur, Q. petraea) bedeuten, aber auch Zerreiche (Q. cerris), ein anderes Holz. Auch das EUDR-Informationssystem verlangt die Bestimmung auf Artebene. Fragen Sie zudem nach der Herkunftsregion.
CITES bei exotischen Hölzern
CITES, das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, regelt einige Tropenhölzer über Ausfuhrgenehmigungen. 2022 wurden die afrikanischen Populationen von Afzelia (Doussié), Khaya (Khaya-Mahagoni) und Pterocarpus (Padouk) in Anhang II aufgenommen, für Rundholz, Schnittholz, Furnier, Sperrholz und verarbeitetes Holz; Genehmigungen sind seit dem 23. Februar 2023 nötig.37 Verlangen Sie bei exotischen Hölzern die CITES-Papiere zusätzlich zum Zertifikat.
Den ganzen Stamm nutzen
In einem Rechenbeispiel von FAO, ITTO und UNECE ergibt 1 m³ Laubrundholz rund 0,64 m³ sägeraues, frisches Schnittholz; rund 0,14 m³ werden zu Sägemehl und 0,22 m³ zu Schwarten, Säumlingen und Kappstücken.38 Das EU-Energierecht legt für holzartige Biomasse eine Rangfolge fest: zuerst Holzprodukte, dann längere Nutzungsdauer, Wiederverwendung, Recycling, Bioenergie und erst zuletzt Beseitigung.39 Unser Beitrag zur Ausbeuteoptimierung zeigt, wie Werke den Anteil steigern, der in Produkte geht.
Regional oder von weit her
Entfernung ist an sich keine ethische Kategorie, verändert aber den Papieraufwand. Jeder Eigentumswechsel bringt ein weiteres Zertifikat zur Prüfung und weitere EUDR-Aufzeichnungen zur Weitergabe. Eine kurze Kette mit Einschnitt, Trocknung und Bearbeitung in einem Unternehmen lässt sich leichter dokumentieren und prüfen als eine lange mit mehreren Händlern.

So beschaffen wir Holz bei SARAL
Checkliste: Was Sie Ihren Lieferanten fragen sollten
- Die genaue Aussage. Schreiben Sie „FSC Mix 70 % oder höher“, „FSC 100 %“ oder „x % PEFC certified“ in die Bestellung, nicht „zertifiziertes Holz“.
- Den Zertifikatscode des Verkäufers, also des Unternehmens, das Ihnen die Rechnung stellt.
- Eine Datenbankprüfung: Status gültig, Ablauf in der Zukunft, Geltungsbereich für Ihr Produkt und Ihre Holzart. Bewahren Sie den Eintrag auf.
- Die Aussage auf jeder Rechnungsposition. Ohne Aussage im Dokument kein zertifiziertes Produkt.
- Die vereinbarte Formulierung auf dem Produkt. Vermeiden Sie allgemeine Begriffe wie „Öko-Holz“.
- EUDR-Daten gesondert: Wer gibt die Sorgfaltserklärung ab, und wie erhalten Sie die Referenznummern?
- Holzart und Herkunft auf Artebene, bei Exoten zusätzlich die CITES-Papiere.
- Meldung von Änderungen: eine Vertragsklausel, nach der der Lieferant sofort mitteilt, wenn sein Zertifikat ausgesetzt wird oder sich der Geltungsbereich ändert.
Häufige Fragen
FSC oder PEFC: Was ist der Unterschied?
FSC setzt einen internationalen Waldstandard, der national angepasst wird, und wird von Mitgliedern in ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Kammer getragen.12,13 PEFC erkennt nationale Systeme an, die seine internationalen Benchmarks erfüllen.15 Beide zertifizieren Waldbewirtschaftung und Produktkette mit unabhängigen Audits. Für Einkäufer zählt vor allem, welches System im Land des Lieferanten verfügbar ist und welches der Endkunde verlangt.
Was bedeutet FSC Mix 70 %?
Mindestens 70 % der Einsatzstoffe in einem Auftrag oder Aussagezeitraum waren FSC-zertifiziert oder recycelt; der Rest war kontrolliertes Material oder FSC Controlled Wood. 70 % ist die Mindestgrenze für das FSC-Mix-Siegel im Prozentsystem.4
Wie kann ich ein FSC- oder PEFC-Zertifikat prüfen?
Übernehmen Sie den Code von der Rechnung und suchen Sie ihn in der FSC Search oder in Find Certified von PEFC. Prüfen Sie Name, Status, Ablaufdatum und ob Produkte und Standorte im Geltungsbereich Ihren Einkauf abdecken.7,8
Ist FSC- oder PEFC-zertifiziertes Holz automatisch EUDR-konform?
Nein. Eine Zertifizierung kann als ergänzende Information in die Risikobewertung einfließen, ersetzt aber weder die Sorgfaltspflicht des Marktteilnehmers noch die Geolokalisierungsdaten oder die Sorgfaltserklärung.10,20
Ist „70 % PEFC-zertifiziertes“ Holz zertifiziert?
Ja. Es ist ein PEFC-zertifiziertes Produkt mit 70 % zertifiziertem Anteil, der Rest stammt aus PEFC-kontrollierten Quellen, und es darf das Siegel „PEFC-zertifiziert“ tragen, für das 70 % die Mindestgrenze sind.5,17
