Die Marke und das Produkt
Der FeetUp® Trainer ist ein Yoga-Hilfsmittel für Umkehrhaltungen. Er sieht aus wie ein kleiner, offener Hocker mit einem U-förmigen Kissen: Die Schultern liegen auf dem Kissen, der Kopf hängt frei durch die Aussparung, die Hände halten das Gestell. Die Marke beschreibt das Prinzip so: Das Körpergewicht verteilt sich auf die Schultern, Kopf und Nacken tragen nichts.2 Heraus kommt ein Objekt mit ausgesprochen exotischem Aussehen, näher an einer Skulptur als an einem Möbel aus dem Katalog.
Laut Produktseite misst der Trainer 64 × 40 × 40 cm und wiegt etwa 5 kg. Geliefert werden ein Holzgestell, ein Kissen aus veganem Leder (bei den Modellen Honey Chai ein Stoffbezug), ein Beschlagset für die Montage in rund fünf Minuten, Handyhalter, eine Anleitung und ein Übungsposter.2 Gegründet hat FeetUp® der deutsche Produktdesigner Kilian Trenkle, der seit 2018 auch einer der Eigentümer von SARAL ist. Dieser Beitrag beschreibt das FeetUp®-Projekt so, wie wir es in unserem Werk in Bălțați im Kreis Iași umgesetzt haben.
Die Herausforderung: ein Gestell aus Buchen-Formsperrholz
Die meisten Holzmöbel bestehen aus geraden Teilen. Der Trainer nicht. Jede Seite des Gestells ist ein einziges, durchgehend gebogenes Teil, das obere Zarge und beide Beine bildet, und es muss einen Menschen kopfüber tragen. Aus Massivholz ausgesägt, würde diese Form an jeder Biegung die Faser quer durchschneiden. Massive Buche lässt sich mit Dampf biegen, doch ein einteiliges Biegeteil verändert seine Form mit den Jahreszeiten eher.3
Die Antwort war Formsperrholz: dünne Buchenlagen, mit Leim beschichtet und in einem Formwerkzeug bei hoher Temperatur gepresst, bis der Leim abbindet und das Paket die Krümmung der Form behält. Die Herausforderung lag nicht im Prinzip, das alt ist, sondern darin, es mit 12 Lagen technischem Buchensperrholz von 1,2 mm umzusetzen, jedes Mal in derselben Form und in Stückzahlen von Tausenden Gestellen im Monat. Nichts davon gab es bei SARAL vor dem Projekt. Der Prozess musste von Grund auf entstehen.

Was wir gebaut haben: eine Fertigungslinie in vier Monaten
Der Aufbau der Fertigungslinie dauerte vier Monate. Jeder Schritt wurde für dieses eine Produkt angepasst, und die Linie wurde für sehr große Stückzahlen ausgelegt: mehr als 6.000 Trainer im Monat. In der Praxis verlagert sich die Arbeit dadurch nach vorn. Ein Formteil ist nur so gut wie sein Werkzeug, also fließt der größte Teil des Aufwands in Formen, Vorrichtungen und Prozesseinstellungen, bevor das erste gute Gestell aus der Presse kommt.
So funktioniert heißgepresstes Formsperrholz
Das US Forest Products Laboratory (FPL) beschreibt das Verfahren im Wood Handbook. Mit Leim beschichtete Furniere werden zusammengelegt und über oder zwischen gekrümmten Formen gepresst; Druck und oft Wärme aus dampf- oder elektrisch beheizten Formen wirken, bis der Leim abgebunden hat und das Paket in Form hält. Wie bei ebenem Sperrholz liegen einige Lagen meist um 90° versetzt, und die Faser der dickeren Lagen verläuft normalerweise parallel zur Biegeachse, damit sie sich leichter biegen lassen.3
Das FPL nennt auch die Vorteile. Dünne Lagen zu biegen beansprucht die Fasern nur mäßig, Dämpfen entfällt, und das fertige Teil ist fester als ein einteiliges Teil mit derselben Krümmung. Lagenverleimte Teile verziehen sich bei Feuchteänderungen weniger als gebogenes Massivholz, und Verhältnisse von Dicke zu Radius, die einteilig unmöglich sind, lassen sich leicht erreichen. Sperrholz, das in einem Arbeitsgang gebogen und verleimt wird, hält seine Krümmung zudem besser als nachträglich gebogenes ebenes Sperrholz. Sitzschalen aus Formsperrholz für Möbel sind das Lehrbuchbeispiel.3
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Material | Technisches Buchensperrholz |
| Anzahl der Lagen | 12 |
| Dicke je Lage | 1,2 mm |
| Nennstärke des Lagenpakets | 14,4 mm (12 × 1,2 mm) |
| Leimfugen | 11 |
| Formgebung | Heißgepresst in Formwerkzeugen |
Quelle: SARAL-Fertigungsdaten. Paketstärke und Zahl der Leimfugen sind von uns berechnet, vor dem Pressen.
Vom Pressrohling zum fertigen Gestell
Was aus der Presse kommt, ist ein Rohling, kein fertiges Bauteil. Er muss noch auf Kontur beschnitten, für die Beschläge gebohrt, geschliffen und oberflächenbehandelt werden, und Traversen, Kissen und Beschläge müssen in engen Grenzen dazu passen, damit sich das Gestell beim Kunden in wenigen Minuten montieren lässt. Unser Beitrag zur CNC-Bearbeitung von Laubholz erklärt, warum eine gleichbleibende Spannung des Werkstücks ebenso wichtig ist wie die Maschine selbst, wenn jedes Teil identisch sein muss.
Werkstoffe und Verbindungen
Buche lag nahe. Sie ist hart, fest und verschleißfest, lässt sich gut verleimen und oberflächenbehandeln und gehört zu den drei Holzarten, die wir bei SARAL täglich verarbeiten. Unser Beitrag zur Rotbuche beschreibt ihre Eigenschaften ausführlich. Im Formsperrholz bändigen die Lagen selbst das natürliche Arbeiten des Holzes: Dünne, zu einem Paket verleimte Furniere können nicht so frei quellen und schwinden wie ein massives Brett.
In einem Formteil ist der Leim Teil des Werkstoffs. Er füllt jede der elf Leimfugen zwischen zwölf Lagen und bestimmt, wie sich das Teil bei Feuchte und unter wiederholter Last verhält. Unser Beitrag zum Verleimen von Laubholz erklärt die Beanspruchungsgruppen der Klebstoffe und die Feuchteregeln, die für jedes verleimte Holzprodukt gelten.
Die beiden Formteil-Seiten werden über gerade Traversen mit den Schrauben und Beschlägen des Beschlagsets verbunden; deshalb wird der Trainer flach verpackt und ist in etwa fünf Minuten aufgebaut.2 Eine zerlegbare Verbindung wie diese folgt einer anderen Logik als eine verleimte Möbelverbindung: Sie muss fest genug sein, um unter einem bewegten Körper nicht zu wackeln, und so reproduzierbar, dass jedes Gestell zu jedem Satz Traversen passt. Rutschfeste Gummifüße, die die Marke als patentiert bezeichnet, halten das Gestell am Boden.2
Das Schulterkissen und die SARAL-Polsterei
Das Kissen ist das einzige Teil des Trainers, das den Körper berührt, und es trägt die volle Last. Es ist mit Kunstleder gepolstert, einem polyurethanbeschichteten Gewebe, das oft als Lederimitat oder veganes Leder verkauft wird. Genau genommen ist es kein Leder: Die europäische Norm EN 15987 legt die Grundbegriffe des Ledersektors fest und regelt, wie das Wort „Leder“ zu verwenden ist.4 Beschichtete Gewebe dieser Art werden auf ihrer beschichteten Oberfläche mit einem eigenen Martindale-Verfahren nach EN ISO 5470-2 auf Abrieb geprüft.5 Unser Beitrag zu Polstern für Holzstühle erklärt Schaumstoffe, Bezüge und Scheuerprüfungen ausführlicher.
Für das Schulterkissen aus Kunstleder hat SARAL eine eigene Polsterei aufgebaut, die 2021 in Betrieb ging. In der eigenen Halle konnten Kissenboden, Schaumstoff und Bezug neben dem Gestell entwickelt werden, auf dem sie sitzen, statt bei einem Zulieferer. Die Marke verkauft außerdem Ersatzkissen und gepolsterte Griffe, letztere aus demselben Material wie die Kissen.6 Mehr auf unserer Seite zu Polsterei und Näharbeiten.

Qualitätskontrolle und der 900-kg-Test
Bei einem Produkt, das einen Menschen kopfüber trägt, ist Festigkeit kein Verkaufsargument, sondern Voraussetzung. Der Trainer wurde an der Technischen Universität Braunschweig (TU Braunschweig) belastet. Er hielt mehr als 900 kg Kraft stand, direkt auf das Schulterkissen aufgebracht: Die Last ging zugleich durch Kissen, Formteil-Gestell und Verbindungen, genau so, wie das Produkt im Gebrauch belastet wird.
Zur Einordnung: Eine Studie von Forschern der London School of Hygiene and Tropical Medicine und der Weltgesundheitsorganisation schätzte die durchschnittliche Körpermasse Erwachsener auf 70,8 kg in Europa, 80,7 kg in Nordamerika und 62,0 kg weltweit.1 Die Prüflast entspricht etwa dem 13-Fachen des europäischen und dem 11-Fachen des nordamerikanischen Werts.
Das Verhältnis ist eine Reserve, kein zulässiges Nutzergewicht. Eine statische Prüflast wird langsam aufgebracht, während ein Mensch, der in die Umkehrhaltung schwingt, das Gestell dynamisch belastet; wiederholte Nutzung kommt als Ermüdung hinzu. Deshalb kombinieren Prüfverfahren für Möbel wie EN 1728 statische Prüfungen und Dauerprüfungen der Festigkeit von Sitzmöbelkonstruktionen.7 Auch der Rat der Marke geht in diese Richtung: Nutzer sollen auf Richtung und Tempo ihrer Bewegung achten statt auf eine Gewichtsgrenze.2 Wie statische Prüfungen und Dauerprüfungen bei Stühlen ablaufen, steht in unserem Beitrag über Objektstühle.

Verpackt, mit Beilagen, versandfertig
Der Trainer verlässt SARAL nicht als Teilesatz. Jedes Stück geht in seiner fertigen Verkaufsverpackung hinaus, mit allen Beilagen und versandfertig für den Endkunden: Gestell, Kissen, Beschlagset sowie die auf der Produktseite genannten Drucksachen und Zubehörteile.2 Für die Marke entfällt damit eine ganze Stufe der Lieferkette; für uns ist die letzte Station der Linie ein Packplatz, keine Palette mit Bauteilen. Verpackungslinien, Lager und Logistik gehören zu unseren Zusatzleistungen.
Ergebnisse in Zahlen
Ein weiteres Ergebnis ist keine Zahl, sondern eine Abteilung. Die Polster- und Nählinie, die mit dem Trainerkissen begann, arbeitet heute auch für andere Produkte, darunter der Baumwollgurt des FlexBuddy®.
Was wir gelernt haben
- Bei Formteilen entscheidet sich die Qualität, bevor die Presse schließt. Formen, Furniervorbereitung und Leimauftrag legen das Ergebnis fest; die Kontrolle danach kann nur noch Gutteile von Ausschuss trennen.
- Wer für Stückzahlen konstruiert, stellt andere Fragen. Bei Tausenden Teilen im Monat zählen ein paar Sekunden je Arbeitsgang und eine Vorrichtung, die nie nachgestellt werden muss, mehr als jede einzelne Maschine.
- Die Polsterei gehört neben das Gestell. Das Kissen im selben Gebäude wie das Gestell zu entwickeln, verkürzte jede Änderungsschleife und brachte uns eine Abteilung, die wir für weit mehr als ein Produkt nutzen.
- Eine externe Prüfung liefert eine Zahl, die jeder nachprüfen kann. Ein Universitätstest am kompletten Produkt, belastet dort, wo der Nutzer es belastet, sagt mehr als jede Berechnung an einem Einzelteil.
Wenn Ihr Produkt einen eigenen Prozess braucht statt eines Standardverfahrens, arbeitet unser Produktdesign vom CAD- und Parametermodell bis zur Fertigungslinie.
Produktliste
Die FeetUp®-Produkte aus diesem Projekt:
- FeetUp® Trainer
- FeetUp® Cushion
- FeetUp® Cushion 2.0
- FeetUp® Handgrips
- FeetUp® Coasters (Handyhalter)
Häufige Fragen
Woraus besteht der FeetUp Trainer?
Die Seitenteile des Gestells sind Formteile, heißgepresst aus 12 Lagen technischem Buchensperrholz von je 1,2 mm. Das Schulterkissen ist mit Kunstleder bezogen, einem polyurethanbeschichteten Gewebe, bei einigen Modellen mit einem Stoffbezug.2
Wie viel Gewicht hält der FeetUp Trainer aus?
Bei einer Prüfung an der TU Braunschweig hielt der Trainer mehr als 900 kg stand, direkt auf das Schulterkissen aufgebracht. Das ist eine statische Prüflast, etwa das 13-Fache der durchschnittlichen Körpermasse Erwachsener in Europa, keine Gewichtsgrenze für Nutzer.1
Wie wird Formsperrholz hergestellt?
Dünne Furniere werden mit Leim beschichtet, gestapelt und in einer gekrümmten Form gepresst, meist unter Wärme, bis der Leim abgebunden hat. Das Teil behält die Form des Werkzeugs und ist formstabiler als Massivholz, das auf dieselbe Krümmung gebogen wurde.3